„… dann ändere deine Einstellung!“

Diesen Spruch von Albert Schweitzer kennen Sie alle, nicht?

„Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, das du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst.“

Vor ein paar Tagen hatte ich eine längere Diskussion zum Thema Beruf und Berufung. Mal ehrlich, wer von uns kann schon den Luxus genießen, das zu tun, was er tun möchte? Sein Geld mit Dingen zu verdienen, die Spaß machen?

Oft ist es einfach so, dass das Leben vorher kommt. Und bei manchen Menschen lässt die Verantwortung niemals nach. Je höher die Verantwortung, die man im Leben zu tragen hat, umso größer die Scheu, sich irgendwann im Leben für neue Wege zu entscheiden.

Das wird immer gerne dargestellt, als sei es ein ganz einfacher Schritt. Manchmal ist das auch tatsächlich so, dass Menschen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Bei den meisten ist es aber so, dass die Miete oder die Rate für das Haus oder die Wohnung gezahlt werden müssen. Die Familie muss leben. Mit wie viel Herzblut kann man wohl eine Tätigkeit ausüben, die man wirklich gerne tut, wenn das mit finanziellen Sorgen verbunden ist? Ich denke, das geht nicht.

Außerdem denke ich, dass es für alles im Leben eine Zeit gibt.

Ich wäre ein schlechter Coach, würde ich Menschen dazu raten, einen gut bezahlten Job aufzugeben und sich in irgendwelche Abenteuer zu stürzen. Verpflichtungen sind nun einmal da und man muss ihnen nachkommen.

In meiner Tätigkeit als Trainerin „stichele“ ich nur da, wo ich merke: Hier möchte jemand unbedingt wechseln – und hat auch gute Chancen in anderen Bereichen. Dann schauen wir einfach gemeinsam, was dieser Mensch sonst noch tun könnte – außer dem, was er oder sie gerade tut. In vielen Fälllen gibt es ganz viele berufliche Alternativen, doch wie gesagt: Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und da hilft ein neutraler Blick von außen. Ich zeige Möglichkeiten auf, die derjenige wahrscheinlich nicht ahnt.

Ich „stichele“ auch da, wo jemand ohnehin gerade auf der Suche nach einer neuen Stelle ist, wenn ich merke, da besteht Interesse an einer völlig anderen Tätigkeit. Ich sehe Arbeitslosigkeit nämlich als die Chance an, sich noch einmal neu zu entscheiden, vielleicht sogar für etwas ganz anderes.

Ansonsten rate ich Menschen, die zu einer Beratung zu mir kommen, dazu, ruhig zu bleiben – und „ihre Zeit“ abzuwarten. Denn die wird kommen. Man darf nur niemals seine Träume aufgeben. Es kommt der Tag, an dem man sie – und damit auch sich selbst – verwirklichen kann. Bis dahin aber muss jemand die Rechnungen zahlen und den Kühlschrank füllen.

Was kann man also tun, wenn man einen sicheren Job hat, den man aber nicht gerne macht? Zu dem man Montags Morgens schon missmutig erscheint? Einen Job, bei dem man die ganze Woche auf den Freitag hinarbeitet? Wenn man aber sonst in der aktuellen Situation keine Alternativen hat oder ein Wechsel einfach zu riskant wäre?

Sie erahnen es schon am Titel dieses Blogs: Richtig! Die Einstellung ändern, frei nach dem Sprichwort von Albert Schweizer.

Haben Sie es schon einmal erlebt, dass Sie irgendwo gewesen sind und jemand hat Ihnen so begeistert etwas erzählt, dass Sie wirklich beschwingt und motiviert nach Hause gegangen sind? Hat Sie schon einmal etwas so richtig mitgerissen?

Ganz bestimmt, denn jeder Mensch kann von solchen Erlebnissen berichten. Ein Mensch, der Sie fasziniert hat. Ein Restaurant, in dem Sie hervorragend gegessen und einen tollen Abend verbracht haben. Eine Party. Ein Seminar. Eine Weiterbildung.

Wer begeistert ist, dem geht vieles leicht von der Hand. Wer begeistert ist, dessen Augen funkeln und sprühen vor Lebensfreude. Durch ehrliche Begeisterung wirkt man mal schnell ein paar Jahre jünger als man eigentlich ist. Man hat eine positive Ausstrahlung und andere Menschen fühlen sich angezogen.

Genau so funktioniert es aber auch mit „Nicht-Begeisterung“.

Wenn Sie Ihren Job hassen, dann mag das so sein und vielleicht gibt es im Momen auch keine Chance für einen Wechsel. Aber wenn ständig darüber nachdenken, wie sehr Sie diesen Job hassen, werden Sie ihn immer mehr hassen, bis Sie irgendwann krank werden.

Wenn Sie Sonntags Abends schon schimpfen und schlechte Laune haben, weil Sie am nächsten Morgen aufstehen und dort hingehen müssen, wird Ihnen das Aufstehen immer schwerer fallen und Sie werden sich verdammt missmutig zur Arbeit schleppen.

Wenn Sie die ganze Woche auf den Freitag hinarbeiten, werden Sie Ihr Wochenende nicht genießen können. Denn was sind schon zwei freie Tage, gemessen an den fünf Tagen, an denen Sie sich zur Arbeit schleppen müssen?

Um Missverständnisse auszuschließen: Wer gemobbt wird, schleppt sich auch auf die Arbeit, aber von diesen Fällen spreche ich hier gerade nicht. Wer in einer Mobbingsituation steckt, braucht Hilfe und da nützt alle Motivation nichts!

Ich spreche hier von ganz normalen Jobs, in denen man ganz normale Kollegen um sich herum hat und eine Arbeitssituation, die man ebenfalls als ganz normal bezeichnen könnte. Auch wenn man den Job nicht gerne macht.

Auch ich habe schon Jobs gemacht, weil ich meine Familie ernähren musste, nicht weiß sie mir Spaß gemacht hätten. Ich kenne also das Gefühl, das einem immer im Nacken sitzt und flüstert: Hey, du könntest doch eigentlich …

Ich konnte nicht – damals. Irgendwann sah die Situation mal anders aus. Wie gesagt, ich glaube fest daran, dass es für alles im Leben eine Zeit gibt.

Mit negativen Gedanken machen Sie sich das Leben unnötig schwer. Es gibt an jedem Job etwas Positives, auch wenn Sie den Job nicht gerne machen. Ein netter Kollege. Ein funktionierendes Team. Pünktliche Gehaltszahlung – das ist schon lange nicht mehr selbstverständlich. Betriebsrente. Ein gutes Gehalt. Viele Urlaubstage. Verständnis, wenn man mal krank wird, statt Vorwürfe. Die eine oder andere Freiheit, die man sich erlauben kann.

Wenn ich in einer solchen Situation stecke, kann ich zwei Dinge tun: Ich kann mich auf all das konzentrieren, was ich hasse. Damit verwurzele ich ganz viele negative Gedanken auf einen Schlag und ich werde unter dieser Situation mehr leiden als es nötig wäre. Vielleicht sogar so sehr, dass ich tatsächlich krank werde.

Ich kann aber auch versuchen, das Positive zu sehen, das damit verbunden ist. Mit jedem positiven Aspekt, den ich selbst zulasse, vergraule ich den Zorn ein bisschen mehr. Kann freier atmen. Es ist wie das Graben mit einem Spaten in einem trockenen Garten. Die ersten Spatenstiche fallen schwer. Ist aber die obere Schicht erst mal abgetragen, fallen die nächsten Spatenstiche schon leichter, denn unter der ersten Schicht ist die Erde nicht mehr so trocken und so hart.

Mit jedem negativen Gedanken, den Sie abbauen, hat das Positive einen besseren Nährboden um zu wirken. Lassen Sie das ruhig zu.

Denn im Grunde ist das alles furchtbar einfach (auch wenn Ihr Job schwer ist): Sie müssen den Job (jetzt) sowieso machen. Das können Sie mit viel schlechten Gedanken und einer gewissen Portion Wut im Bauch tun und ja, es wird etwas ändern: Denn Wut und Ablehnnung bauschen sich naturgemäß auf. Man sieht es Ihnen irgendwann an und das bleibt niemals ohne Folgen.

Sie können aber auch mit möglichst positiven Gedanken an die Sache herangehen. Und dadurch wird es leichter. Mit jeder Woche etwas mehr.

Die Einstellung, die man zu einer bestimmten Sache hat, und gerade wenn es um die Arbeit geht, trägt ganz entscheidend zum eigenen Wohlbefinden bei. Und wer sich wohl fühlt, ist definitiv glücklicher. Wer glücklich ist, hat eine glückliche Ausstrahlung. Und die ist unbezahlbar, denn auch die bleibt niemals unbemerkt. Vielleicht ist es eines Tages sogar genau diese Ausstrahlung, die Ihnen Chancen zuspielt, von denen Sie niemals zu träumen gewagt hätten.