Kommunikation bei Demenz

Die Kommunikation mit einem Menschen, der an Demenz leidet ist – zugegeben – nicht ganz einfach. Sie kann aber sehr einfach werden, wenn man mit der nötigen Empathie und vor allem mit etwas Fachwissen an die Sache herangeht. Eines muss klar sein: Ein wirklich interessantes Gespräch ist einfach nicht mehr möglich und in der Kommunikation wird es sich mehr und mehr um die einfachen, notwendigen Dinge des Alltags drehen. Und um die Vergangenheit. Ein Mensch mit einer Demenz nimmt viele Dinge wahr, aber eben so, wie sie sich in seiner eigenen Welt gestalten. Er versteht vieles inhaltlich nicht mehr, anderes dafür wieder sehr gut – das schafft Verwirrung beim  Gesprächspartner. In der Kommunikation mit einem Demenzkranken geht der Gesunde auf den Kranken ein und kann das Gleiche umgekehrt einfach nicht erwarten. Enttäuschung oder Traurigkeit darüber sind fehl am Platz.

Die Lautstärke in der Ansprache

Es gibt kein allgemeingültiges Rezept für die richtige Lautstärke in der Kommunikation mit einem Demenzkranken. Wenn ein Mensch einen Hörfehler hat, so existiert dieser Hörfehler auch weiterhin – und der Mensch braucht eine etwas lautere Ansprache, damit er überhaupt wahrnimmt, dass mit ihm gesprochen wird. Wenn er jedoch recht gut hört, genügt eine Ansprache in einer normalen Lautstärke. Wenn der Betroffene etwas nicht versteht, so kann es durchaus am Inhalt liegen. Es nutzt von daher wenig, den Satz noch mal etwas lauter zu wiederholen. Viele Demenzkranke reagieren auf laute Stimmen sehr eigen. Je nach Demenzgrad können die Betroffenen häufig die Botschaft selbst nicht mehr verstehen. Sie hören nur den Klang der Stimme und ist diese zu laut, wird sie als unangenehm empfunden. Demenzkranke Menschen fühlen viele Dinge, die gesunde Menschen nicht wahrnehmen. Eine Stimme kann  bedrohlich wirken, beruhigend, freundlich, aggressiv, beängstigend, selbst wenn es sich um eine vertraute Stimme eines lieben Angehörigen handelt. Man sollte also grundsätzlich eher etwas leiser sprechen. In geriatrischen Abteilungen pflegender Einrichtungen wird sehr häufig beobachtet, dass Demenzkranke nahezu aggressiv auf besonders laute Stimmen reagieren.

Inhalte vermitteln im Gespräch

Es ist oft nicht möglich, in einem Gespräch wirkliche Inhalte zu vermitteln. Schon aus diesem Grund beschränkt man sich in der Kommunikation mit Demenzkranken auf einfache Inhalte. Es macht wenig Sinn, mit einem demenzkranken Menschen über den bevorstehenden Geburtstag vom Enkelchen zu sprechen, wenn der Betroffene sich nicht mal mehr an den Enkel erinnern kann. Man kann ihm freilich davon erzählen, damit er eine Stimme hört. Liebevoll, freundlich, einfach die Neuigkeiten aus der Familie und der Nachbarschaft erzählen, während man Kleinigkeiten im Haushalt erledigt. Als würde man sich eben nebenher unterhalten. Die Ansprache tut den Menschen gut, auch wenn sie die Inhalte oft nicht wahrnehmen – und manches bleibt übrigens trotzdem hängen. Absolut zu vermeiden sind Vorwürfe aller Art. „Wieso kannst du dich nicht an Lisa erinnern, das ist doch deine Enkelin, Mutter!“ Demenz bedeutet nicht, dass die Betroffenen überhaupt nichts mehr verstehen. Mit einem solchen Vorwurf kann man sogar schwerste Depressionen auslösen. Demenzkranke spüren in gewissen Stadien der Demenz durchaus, dass ihnen Erinnerungen abhanden gekommen sind. Sie fühlen sich zunehmend hilfloser und schämen sich vor ihren Angehörigen. Müssen in einem Gespräch wichtige Inhalte vermittelt werden, sollte man sich auf das Notwendigste konzentrieren. Je einfacher der Inhalt, umso größer die Erfolge. Inhalte können besser vermittelt werden, wenn man auf den dementen Menschen eingeht, ihn wertschätzt, sich auf seine Form und Möglichkeit der Kommunikation einlässt.

Oft muss eine Entscheidung getroffen werden

Demente Menschen leben in einer ganz eigenen Welt und das muss nicht bedeuten, dass sie in dieser Welt unglücklich sind. Im Gegenteil – gerade auf gerontopsychiatrischen Stationen in pflegenden Einrichtungen sind sehr häufig gut gelaunte, glücklich wirkende Menschen anzutreffen, die hochgradig dement sind. Woran das liegt? Nun, ein kleines Beispiel.

Eine alte Dame bewohnt ein Zimmer in einer pflegenden Einrichtung. Sie aber glaubt, dass sie Urlaub in einem Hotel macht. Sie ist glücklich. Die Zimmermädchen (die Schwestern) kommen täglich und bringen das Zimmer wieder wunderbar in Ordnung. Ihr Frühstück bekommt sie ans Bett, wenn sie es wünscht. Aber sie sitzt auch gerne in dem schönen Restaurant (im Tagesraum) und speist mit den anderen Gästen des Hotels (mit den Bewohnern).

Nun kann man zwei Dinge tun. Zum einen kann man der alten Dame erklären, dass sie in einem Pflegeheim lebt, dass sie von Pflegefachkräften betreut wird und dass sie im Tagesraum speist und nicht im Hotelrestaurant. Nicht selten kann das inhaltlich sogar noch nachvollzogen werden. Die Reaktion?

Erschrecken. Angst. Entsetzen. „Ich bin in einem Pflegeheim?“

Es ist durchaus möglich, dass dieser Schock zwei Stunden später wieder überwunden ist und die alte Dame sich längst wieder im Hotel wähnt. Aber in diesem Moment, in dem man sie schonungslos aufklärt, ist sie entsetzt, schockiert, fühlt sich hilflos. Es gibt noch immer pflegende Einrichtungen, in welchen man auf diese Methode setzt, die Menschen immer und immer wieder in die Realität zurück zu holen.

Die meisten Einrichtungen jedoch entscheiden sich für den anderen Weg. Dann sind die Schwestern eben Zimmermädchen und der Tagesraum ist eben ein schickes Restaurant im Hotel. Wen kümmert es denn schon? Die Hauptsache ist doch, der demente Mensch fühlt sich wohl, hat gute Laune, es geht ihm gut. Mehr interessiert doch niemanden. Als pflegender Angehöriger kommt man meist auch nicht umhin, die Entscheidung für eine Form des Umgangs zu treffen.

Validation nach Naomi Feil

Naomi Feil ist in Fachkreisen rund um die Pflege mehr als ein Begriff, sie gilt als die Expertin auf dem Gebiet der Kommunikation mit Demenzkranken. Naomi Feil ist ursprünglich Sozialarbeiterin und Schauspielerin und hat ihre Pflegetechnik im Jahr 1990 aus der klientenzentrierten Gesprächsführung des Psychologen Carl Rogers heraus entwickelt. Das Ziel ist es, den Zugang zu dementen und verwirrten Menschen zu erhalten und zu bewahren. Ihre Basis ist ein wertschätzender Umgang, der die Gefühle des Betroffenen wahrnimmt und anerkennt. Bei Amazon (und auch sonst im Handel) sind einige Bücher und Audio-CDs von Naomi Feil erhältlich, die jedem Menschen, der mit Demenzkranken umzugehen hat, eine große Hilfe sein könnten. Darüber hinaus tourt Frau Feil regelmäßig durch Deutschland und Europa, hält Vorträge und Seminare zum Thema Validation. In Fachkreisen spricht man schon lange von „Validation nach Naomi Feil“. Sie finden dazu übrigens auch viele Videos auf youtube.