Narzissmus und Partnerschaftsgewalt

Leider ist das ein großes Thema in Deutschland. Partnerschaftsgewalt ist etwas, das nebenan stattfindet. Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, schweigen aus unterschiedlichen Gründen: Aus Scham über die Gesamtsituation. Aus Angst vor dem, was kommen mag, wenn sie ihr Schweigen brechen. Aus Angst um die Kinder. Aus Angst vor einer Zukunft, die sie nicht vorhersehen können. Ein altes Sprichwort besagt, dass viele Menschen lieber in zwar furchtbaren, aber bekannten Strukturen verbleiben, als in eine unbekannte Zukunft aufzubrechen. Ist das so richtig? Wir – denn ich habe in dieser Thematik eine Menge kompetenter und engagierter Mitstreiter/Innen – sind der Meinung, dass das Thema Narzissmus auf dem Vormarsch ist und in vielen Beziehungen an der Tagesordnung ist. Ist das der Fall, kommt noch einmal eine Dynamik in die Gesamtsituation der Betroffenen, die sie selbst einfach nicht mehr einschätzen können. Das lähmt. Das verursacht ein Gefühl von Hilflosigkeit. Das macht Angst! Wenn wir von Partnerschaftsgewalt sprechen, geht es übrigens nicht um die Türen oder Schränke, die von Gewalt betroffene Frauen angeblich immer übersehen und an denen sie sich angeblich ihre Blessuren holen, sondern auch um psychische Gewalt.

Narzisstische Gewalt ist kalte Gewalt

Psychische Gewalt ist schwer bis gar nicht nachweisbar, die Folgen sind aber fast noch dramatischer als die der körperlichen Gewalt – ohne diese verharmlosen zu wollen. Jede Form der Gewalt ist verabscheuungswürdig! Während man aber nach körperlicher Misshandlung Strafanzeige stellen und die Misshandlung meist gut beweisen kann, ist das bei psychischer Gewalt schon viel schwieriger. Unter psychische Gewalt fallen Drohungen und Nötigungen aller Art. Bei narzisstischer Gewalt sprechen wir auch von Gaslighting, Crazymaking, Hoovering – alles Begriffe, die den Opfern leider verdammt vertraut sind. Narzisstische Gewalt wird deswegen als „Kalte Gewalt“ bezeichnet, weil sie niemals im Affekt erfolgt. Sie ist geplant und zwar mit dem Ziel, das Opfer seelisch schwer zu verletzen, es durcheinander zu bringen, verrückt zu machen, am eigenen Verstand zweifeln zu lassen, in ständiger Angst zu leben und das mit dem Ziel, so zu funktionieren, dass die Bedürfnisse des Täters erfüllt werden. Die können übrigens ganz banal sein. Im all-inclusive-Angebot narzisstischer Gewalt ist übrigens immer die Abwertung des Opfers enthalten. All das kann eher sanfte Ausprägungen haben (man muss es so bezeichnen, wenn man es in der Relation zu den ganz schlimmen Fällen sieht) und sehr schwere Ausprägungen. Meist dauert es sehr, sehr lange, bis die eher „sanften Ausprägungen“ überhaupt bewusst werden. Bei den schweren Ausprägungen hingegen ist es meist sehr offensichtlich, was da passiert. Verzweifelt und verängstigt reagieren früher oder später alle Opfer narzisstischer Gewalt. Narzisstische Gewalt ist übrigens keine Männersache – auch Männer werden Opfer.

Kaltes Herz – Narzisstischen Missbrauch überwinden

Ich nehme mich dieser Thematik nicht grundlos an. Selbstredend habe ich jede Menge eigene Erfahrungen machen müssen, die mich mit den Begrifflichkeiten konfrontiert haben – und nicht nur damit, denn narzisstischer Missbrauch hat immer Folgen für die Opfer. Seit fast zehn Jahren nun habe ich mich mit dem Thema Narzissmus beschäftigt. Herausgekommen ist mein neues Buch „Kaltes Herz – Narzisstischen Missbrauch überwinden“, das im Oktober 2017 erschien. Du erhältst es im gängigen Buchhandel. Auf 436 Taschenbuchseiten habe ich den in partnerschaftlichen Beziehungen typischen und üblichen Missbrauch beschrieben und einige Betroffene zu Wort kommen lassen. Ein weiteres Buch ist in Planung und wird sich mit dem Missbrauch beschäftigen, der durch narzisstische Eltern ausgeübt wird.

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